Muskelgedächtnis: Der Muscle Memory Effect erklärt!

Die meisten Trainierenden können aktuell aufgrund der Corona-Situation nicht ins Fitnessstudio. Da kommt oft die Angst auf, Muskeln zu verlieren. Nehmen wir an, unsere Muskeln würden während dieser tatsächlich atrophieren. Wie schnell könnten wir diese wiederaufbauen, sobald die Studios wieder geöffnet sind?

Kann sich der Körper wirklich an ehemalige Muskulatur erinnern? Gibt es ein Muskelgedächtnis wirklich?

Die kurze Antwort lautet: Ja!

Vereinfacht gesagt kann sich unser Körper an Muskulatur erinnern, die zu einem früheren Zeitpunkt bereits aufgebaut wurde.

Doch wie funktioniert der sogenannte ‚Muscle Memory Effect‘?

Das werde ich Dir im Folgenden erklären. Legen wir direkt los!

Muskelgedächtnis – auf biologischer Ebene

Vollständig entwickelte Muskelzellen eines erwachsenen Menschen können sich nicht teilen und vermehren. Für den Muskelaufbau sind deshalb sogenannte Satellitenzellen essenziell.

Hypertrophie: Die Satellitenzellen

Satellitenzellen stellen Muskelstammzellen dar, die als Muskelzellen noch nicht voll entwickelt sind und sich daher noch teilen und somit vermehren können.

Um trotzdem Muskelwachstum gewährleisten zu können, fusionieren Muskelzellen mit Satellitenzellen.

Vereinfacht gesagt, befinden sich diese Satellitenzellen in der Umlaufbahn der Muskelfasern – daher auch ihr Name.

Beim Muskelwachstum geht also der Zellkern der Satellitenzelle in die Muskelzelle über – eine sogenannte Zellfusion findet statt. Dabei bleiben beide Zellkerne erhalten.

Die Menge an Zellkernen innerhalb eines Muskels korreliert positiv mit der Menge an betriebener Muskelproteinbiosynthese.

Das heißt: Je mehr Zellkerne ein Muskel besitzt, desto mehr Muskelproteinbiosynthese kann er betreiben.

Muskelabbau: Zellkerne bleiben erhalten

Wenn Muskulatur atrophiert, d.h. abgebaut wird (z.B. infolge einer langen Trainings- oder Verletzungspause), bleiben die Zellkerne der Muskelzellen erhalten. Studien zeigen, dass diese Zellkerne für mindestens 15 Jahre, vielleicht sogar für immer erhalten bleiben (1).

Wie eben bereits erwähnt, führen mehr Zellkerne zu der Fähigkeit, mehr Muskelproteinbiosynthese durchzuführen.

Die Muskelproteinbiosynthese beschreibt den Prozess, bei dem Eiweiße aus der Nahrung in Muskelproteine umgewandelt werden.

Je mehr Zellkerne ein Muskel also besitzt, desto schneller lassen sich Muskeln aufbauen.

Hattest Du also schon einmal mehr Muskulatur, haben Deine Muskeln somit mehr Zellkerne, sodass Du diese Muskulatur schnell wiederaufbauen kannst.

Dieser Prozess wird als Muskelgedächtnis bzw. Muscle Memory Effect bezeichnet.

Das Muskelgedächtnis funktioniert natürlich lediglich bis zu dem Punkt, an welchem Du wieder die Ursprungsmenge an Muskulatur erreicht hast. Danach müssen wieder neue Zellkerne rekrutiert werden und der Muskelaufbauprozess verlangsamt sich entsprechend.

Muskelgedächtnis – Trainingswissen

Neben der biologischen Ebene gibt es andere Faktoren, die dazu beitragen, wie schnell Du nach einer Trainingspause wieder Muskeln aufbauen kannst.

Als Trainingsanfänger trainiert man oft unstrukturiert und ohne viel Wissen über die Materie. Je mehr Trainingserfahrung man sammelt und je mehr man sich mit Trainings- und Ernährungslehre auseinandersetzt, desto besser werden auch die Trainingserfolge.

Als Fortgeschrittener, der nach einer Trainingspause wieder einsteigt, überspringt man diese unstrukturierte Phase. Das angelernte Wissen kann vom ersten Training an direkt wieder genutzt werden, um die Trainingserfolge zu maximieren.

Du beherrschst die Übungsausführung, kennst Dich mit Ernährung und Regeneration aus und weißt, welcher Trainingsplan für Dich am besten funktioniert.

Du wirst also als Fortgeschrittener – unabhängig vom Muskelgedächtnis der Zellen – nach einer Trainingspause immer schneller Muskeln aufbauen als jemand, der noch nie trainiert hat.

Muscle Memory Effect – Ein Fazit

Der Muscle Memory Effect besagt, dass sich der Körper an Muskulatur erinnert, die zu einem früheren Zeitpunkt bereits aufgebaut war.

Beim Muskelaufbau fusionieren die Zellkerne der Muskelzellen mit Zellkernen sogenannter Satellitenzellen. Je mehr Zellkerne eine Muskelzelle besitzt, desto mehr Muskelproteinbiosynthese kann sie betreiben.

Falls die Muskulatur durch eine Verletzungs- oder Trainingspause abgebaut wird, bleiben die Zellkerne der Muskelzellen trotzdem erhalten.

Falls Du also schon einmal viel Muskulatur hattest, besitzen Deine Muskelzellen viele Zellkerne, die bei erneutem Trainingseinstieg zu einer vermehrten Muskelproteinbiosynthese und damit zu beschleunigten Wiederaufbau der Muskeln führt.

Also: Falls Du aktuell Angst vor Muskelabbau hast, kann ich Dir einen Teil der Angst nehmen. Solltest Du tatsächlich Muskeln abbauen, wirst Du diese Muskulatur nach der Pause sehr schnell wiederaufgebaut haben.

Ich wünsche Dir jetzt noch einen schönen Sonntag! Halte durch!

Dein Basti